Das Besondere als das neue Normal - aber eine Mindestgröße braucht es schon (Januar 2026)
Domino Konkret Newsletter vom Januar 2026
Zu Jahresbeginn blicken wir nicht nur auf das Zurückliegende - sondern vor allem nach vorn. Welche Entwicklungen werden uns 2026 begleiten? Welche Veränderungen zeichnen sich bereits ab - und was davon ist womöglich gar nicht mal so neu, wie es vordergründig erscheint?
Die großen, unvorhersehbaren Ereignisse wie Corona oder der Beginn des Ukraine-Konfliktes liegen mittlerweile Jahre zurück und können nicht mehr wirklich als alleinig prägende Determinanten für die Entwicklung des Einzelhandels in 1A-Citylage herangezogen werden. Wir vermuten da eine etwas andere, übergeordnete Ursache für einen neuen Trend - eine tiefgreifende Verschiebung in den Erwartungshaltungen der Konsumenten. Es scheint, als habe sich ein grundsätzlicher Wertewandel vollzogen, dessen Folgen uns erst allmählich bewusst werden.
Bereits 2017 beschrieb der Kultursoziologe Andreas Reckwitz in seinem viel beachteten Werk „Die Gesellschaft der Singularitäten“ einen grundsätzlichen Strukturwandel der Moderne: Weg von der Logik des Allgemeinen, hin zu einer Gesellschaft, in der das Einzigartige, Besondere und Authentische als neue Maßstäbe gesellschaftlicher Relevanz gelten. Es geht nicht mehr um das Normierte, sondern um das Spezielle - in Produkten, Orten, Lebensentwürfen. Ein Trend, der sich heute überall beobachten lässt: in der Arbeitswelt, in der Markenführung - und besonders deutlich auch im Einzelhandel.
Früher dominierten in den 1A-Lagen Mehrmarkenformate wie Schuhgeschäfte oder Textilhäuser, die zwar zahlreiche Marken unter einem Dach führten, jedoch meist nur eine begrenzte Auswahl pro Marke boten. Der Fokus lag auf funktionaler Versorgung, Vergleichbarkeit und Effizienz, weniger auf Differenzierung und Markeninszenierung.
Heute zeigt sich dagegen eine deutliche Verschiebung hin zu monomarkenorientierten „Spezialshops“. Für nahezu jede einzelne Marke existieren eigene Verkaufsflächen mit oft tiefer Sortimentsbreite, die nicht nur die Produkte selber anbieten, sondern die jeweilige Marke als Ganzes inszenieren. Für eine kaufkräftige Klientel dient Konsum nicht mehr primär der Deckung allgemeiner Bedürfnisse, sondern hier geht es um Einzigartigkeit, Markenidentität und Selbstverwirklichung. Hochwertige oder statusrelevante Produkte werden gezielt inszeniert gekauft.
Gleichzeitig sehen wir aktuell in den Innenstädten aber auch den enormen Erfolg von Formaten wie beispielsweise Action und Woolworth, die parallel den Bereich des Alltagskonsums, der stark preis-, nutzen- und effizienzorientiert ist, abdecken. Offensichtlich achtet ein signifikanter Anteil der Bevölkerung schon auf den Preis. Oft ist es vielen so überhaupt erst möglich, in anderen Bereichen dann stärker auf den identitätsstiftenden singularisierten Konsum zu setzen.
Die Erwartung an den stationären Handel verschiebt sich dadurch an zwei entgegengesetzte Pole: Auf der einen Seite eine wachsende Gruppe preisfokussierter Konsumenten, oft mit begrenztem Budget. Auf der anderen Seite eine gut situierte, erlebnisorientierte Klientel, die gezielt nach dem Besonderen sucht - nach Qualität, nach kuratierten Sortimenten, nach einer speziellen Atmosphäre. Beide Gruppen begegnen sich tagtäglich in unseren Innenstädten - und ihre Erwartungen an den Handel könnten unterschiedlicher kaum sein.
Umgekehrt gibt es händlerseitig klare Erwartungen hinsichtlich des mindestens notwendigen Umsatzvolumens an einem Standort. Klein- und Mittelstädte haben in der Regel nicht genug Nachfrage, um viele hochspezialisierte „singuläre“ Einzelkonzepte dauerhaft zu tragen. Geschäfte mit besonderem Profil benötigen kaufkräftige Milieus, hohe Besucherzahlen und meistens auch eine gewisse „kulturelle Anschlussfähigkeit“, die oft nur in Großstädten vorhanden ist. Wenn dagegen in kleineren Städten die „kritische Masse“ fehlt, können auch noch so kreative Concept-Stores nicht überleben. Es ist schon eher die Ausnahme, wenn ein ambitionierter Herrenausstatter im vergleichsweise kleinen Duderstadt einen Großteil seiner Kundschaft aus der benachbarten Universitätsstadt Göttingen im Wortsinne „anzieht“.
Wer also 2026 die richtigen Entscheidungen treffen will - ob als Eigentümer, Händler oder Vermieter - sollte die neue Logik des Besonderen verstehen. Denn Einzigartigkeit ist längst kein Luxus mehr. Sie ist vielmehr eine neue Erwartungshaltung, die sich allerdings nicht in jeder Stadt auch tatsächlich realisieren lässt.
Was dies im konkreten Bedarfsfall für Ihr Objekt bedeuten könnte, erfahren Sie von Domino. Rufen Sie uns an. Wir denken mit Ihnen gemeinsam voraus - und finden den passenden Mieter, der zu Ihrer Lage passt.
Bargeldversorgung wird Handelsaufgabe
Weil immer mehr Bankfilialen schließen und Geldautomaten abgebaut werden, wird das Thema Bargeld zunehmend vom Einzelhandel mitgetragen, wie t-online berichtete. Über den sogenannten Cashback-Service - also die Barauszahlung an der Kasse beim Einkauf - wurden 2023 laut EHI bereits über 12 Milliarden Euro (gegenüber gut 2 Milliarden Euro im Jahr 2019) ausgezahlt, Tendenz steigend.
Was für Verbraucher bequem ist, wird für Händler zunehmend zur Herausforderung: Denn der Service verursacht Kosten - und in vielen Fällen fehlt durch Kartenzahlung der notwendige Bargeldzufluss in die eigene Kasse. Das kann gerade in Regionen mit schwacher Banken-Infrastruktur zu spürbaren Engpässen führen.
Verbraucherschützer fordern deshalb mehr Tempo bei nationalen Lösungen - auch unabhängig von angekündigten EU-Vorgaben für 2026. Denn sollte die Bargeldverfügbarkeit weiter sinken, betrifft das nicht nur die Zahlungsweise, sondern letztlich auch die Nahversorgungsqualität und Standortattraktivität vieler Handelslagen.
IKEA testet neue Ladenkonzepte
Lange war Ikea Inbegriff für günstige Möbel und Familienausflüge in die Stadtrandlage. Doch gestiegene Holzpreise, wachsende Konkurrenz durch Online-Plattformen und ein verändertes Konsumverhalten setzen die Marke unter Druck, wie das Handelsblatt berichtet.
Jetzt reagiert das Unternehmen mit der größten Transformation seiner Geschichte: Kleinere Formate in mittelgroßen Städten sollen die bisherige Expansionslogik ergänzen, die Online-Dienste werden gestärkt, große Häuser zu hybriden Showroom-Logistikzentren weiterentwickelt. Ziel ist es, näher an den Kunden zu rücken - räumlich wie gedanklich.
Auch personell wird der Wandel sichtbar: Erstmals stehen keine Schweden mehr an der Spitze des Unternehmens. Ob sich die neue Strategie als tragfähig erweist, wird sich zeigen - der Weg jedenfalls ist ein Signal an den gesamten Möbelhandel.
Neuer StoreTracker gibt Überblick über Filialnetz-Entwicklungen
Mit dem neuen „StoreTracker“ stellt die Lebensmittelzeitung ein Werkzeug (derzeit in der Testphase) vor, das monatlich Veränderungen in den Filialnetzen großer Handelsunternehmen dokumentiert - darunter Edeka, Rewe, Aldi, Kaufland, dm oder Rossmann.
Die Daten basieren auf den offiziellen Filialfindern der Ketten und liefern Einblick in Neueröffnungen, Schließungen und Bestandsnetze. Gerade in Zeiten zunehmender Standortoptimierung wird damit besser nachvollziehbar, wo Konsolidierung, Wachstum oder gezielte Modernisierung stattfinden.
Shopansicht
Preisbewusste Kundschaft: Antizyklisches Einkaufen